Interview mit Dr. Fuchs

Interview mit Dr. Fuchs

 

Frage: Überall ist zu beobachten, dass lange Zeit als stabil und fest geordnet erscheinende Märkte in Bewegung geraten. Bestehende Strukturen werden verändert, Monopole aufgebrochen. Man denke nur an den Telekommunikationsmarkt, aber auch die Energiemärkte sind in Bewegung. Dagegen scheint der Flüssiggasmarkt noch eine Insel der Seligen, auf der ein kleiner Kreis von Anbietern die Spielregeln bestimmt. Ist hier eine Veränderung zu erwarten?

Dr. Fuchs: Es ist in der Tat so, dass beim Flüssiggasvertrieb zur Zeit noch Strukturen herrschen, in denen ein kleine Zahl von Händlern quasi ein Oligopol gebildet hat, das die Bedingungen des Marktzugangs bestimmt. Die Preise für das Gas werden zum Nachteil des Kunden hoch gehalten, was letztendlich der Wettbewerbsfähigkeit dieses umweltfreundlichen Energieträgers schadet.

Frage: Auf welche Weise wird das erreicht?

Dr. Fuchs: Zunächst wird dem Kunden davon abgeraten, sich einen eigenen Tank zu kaufen, sondern einen Behälter bei dem jeweiligen Händler zu mieten oder das Nutzungsrecht zu erwerben, ohne Eigentum am Tank zu erlangen. Dabei werden in der Regel auch extrem günstige Konditionen offeriert, bis hin zu dem Angebot, den Tank umsonst aufzustellen. Zusätzlich wird für die Erstbefüllung ein günstiger Gaspreis geboten. Alle künftigen Gaslieferungen erfolgen jedoch zu deutlich höheren Preisen, sodass der einmal erzielte Vorteil bald aufgezehrt ist. Außerdem wird in der Regel eine Servicepauschale berechnet, um die angeblich notwendige ständige technische Kontrolle des Behälters zu finanzieren. In Wirklichkeit besteht jedoch nur die Notwendigkeit, alle zwei Jahre eine äußere Besichtigung des Tanks vorzunehmen, die meistens durch die für die Belieferung eingesetzten Kraftfahrer erfolgt und somit kaum mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Die zur Zeit noch notwendige innere Prüfung des Tanks alle zehn Jahre wird meistens ohnehin zusätzlich berechnet. Der entscheidende Nachteil entsteht für den Kunden aber aus der Laufzeit der Verträge. Nicht selten werden hier Zeiträume von zehn Jahren vereinbart. Dafür besteht unter keinem Gesichtspunkt eine Notwendigkeit.

Frage: Welche Alternativen hat der Kunde?

Dr. Fuchs: Man kann allen Kunden nur raten, ihre Verträge zu überprüfen. Wenn darin eine Laufzeit enthalten ist, die zwei Jahre übersteigt und diese Laufzeit nicht auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden zustande gekommen ist, gibt es die Möglichkeit zur kurzfristigen Vertragsbeendigung. Dazu liegen bereits entsprechende Präzedenzurteile vor, und auch der Bund der Energieverbraucher empfiehlt diese Lösung. Danach sollte sich der Kunde einen eigenen Flüssiggastank zulegen. Über freie Händler kann ein solcher Tank jederzeit bezogen werden. Das gilt natürlich auch für Kunden, die über den erstmaligen Einsatz von Flüssiggas nachdenken. Wie überall gilt auch hier: Vergleichen lohnt sich.

Frage: Kann man auch über freie Händler Gas beziehen?

Dr. Fuchs: Selbstverständlich. In den letzten Jahren haben sich in zunehmendem Maße freie Händler etabliert, die außerhalb des bestehenden Beinahe-Monopols stehen und die Flüssiggas zu deutlich günstigeren Preisen anbieten. Als Direktvertriebsunternehmen arbeiten sie mit sehr schlanken Strukturen, haben ein niedriges eigenes Kostenniveau und können somit einen Gaspreis offerieren, der lediglich durch die Schwankungen der Einkaufspreise auf dem Weltmarkt bestimmt wird.

Frage: Bieten diese Unternehmen auch die Gewähr, dass das Gas die vorgeschriebenen Qualitätsstandards erfüllt und die erforderlichen technischen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden?

Dr. Fuchs: Seriöse Anbieter verfügen ausschließlich über qualifiziertes Personal und garantieren, dass nur Gas entsprechend der dafür gültigen DIN 51622 ausgeliefert wird. Im Zweifelsfall sollte der Kunde sich eine entsprechende Bestätigung geben lassen.

Frage: Sind dann also in absehbarer Zeit im Flüssiggasmarkt Verhältnisse zu erwarten, die denen im Mineralölmarkt entsprechen?

Dr. Fuchs: Natürlich hängt alles vom Verhalten der Kunden ab. Es ist doch nicht einzusehen, warum ein Heizölkunde, wenn er seinen Tank füllen muss, sich bei den nächstgelegenen Händlern nach den aktuellen Konditionen erkundigen und sein Öl dann dort kaufen kann, wo er die günstigsten Bedingungen bekommt. Aber einem Flüssiggaskunden wird diese Freiheit immer noch verwehrt. Eine Flexibilisierung dieses Marktes ist schon lange überfällig, und langfristig wird sie auch nicht zu verhindern sein.